Bergfest, Downhill!

So taufe ich den Zeitpunkt der OP einfach mal. Die ist am 02.10. gelaufen – und zwar ganz gut. Der Gipfel der Verletzung sollte damit jetzt genommen sein, das Problem in Form des defekten Meniskus ist entfernt und die Rückkehr in die bewegte Welt sollte jetzt quasi im Tempo eines Downhills erfolgen.

Wie es war: an besagtem Donnerstag Morgen habe ich mich mit dem Bus auf den Weg ins Krankenhaus gemacht. Sehr interessant, so eine Sozialstudie. Ich fand mich also pünktlich um 08:45 Uhr ein, wurde direkt auf die Station geschickt und landete prompt in einem 3-Bett-Zimmer. Meinen Bettnachbarn kannte ich schon aus dem Wartezimmer zu den Vorgesprächen, allerdings hatte er seine Arthroskopie bereits am Vortag, durfte aber nicht heim, da er zu spät aufs Zimmer zurück kam und auch nicht wirklich fit war.

Ich musste mich knappe zwei Stunden in Geduld üben, bevor ich meine „Alles egal“-Pille bekam. Aber dann ging es recht fix. Ich hatte mich statt der spinalen für die Variante der Vollnarkose entschieden und bekam von der OP nichts mit. Dafür ging das Aufwachen sehr fix. Ok, meine letzte Narkose ist 30 Jahre her, aber die Augen aufzumachen und sofort hellwach zu sein, wahr schon sehr beeindruckend. Um 13:00 Uhr war ich dann wieder auf meinem Zimmer. Danach war aber noch 4 Stunden Beobachtung angesagt. Und ich war putzmunter, keine Spur von einem benebelten Gefühl oder Müdigkeit. Schön, dass meine Frau vorbeischaute (obwohl ich das ja nicht für nötig hielt) und mir noch ein Tagesticket fürs WLan besorgte. Dank ebooks, Streaming Video, Audible und Internet liess sich die Zeit doch ganz gut vertreiben.

Gegen 18:30 Uhr schaute der Chirurg vorbei und hatte auch keine Bedenken mich noch am Abend zu entlassen. Der Meniskus war nicht nur gerissen, sondern zerfleddert, so dass sich nur kleine Reste erhalten liessen. Ausserdem ist der Knorpel hinter der Kniescheibe ziemlich angegriffen und einen Kreuzbandriss, der irgendwie wieder verwachsen ist, hatte ich auch mal in der Vergangenheit. Aber die beiden letztgenannten haben mich in den letzten Jahren nicht groß gestört und der Störfaktor der letzten Wochen ist beseitigt. Ganz so fix ging es danach noch nicht heim, die Schwester meinte, erst gäbe es Abendbrot auf der Station, bevor mir noch einmal der Verband gewechselt würde und ich meine Papiere bekäme. Auf jeden Fall war ich mit drei Sorten Tabletten und einer handvoll Thrombosespritzen gegen halb neun wieder daheim.

Zwei von den drei Tabletten waren gegen Schmerzen, die dritte, damit der Magen die ersten beiden verträgt. Ich sollte aber alle nehmen, da nicht nur die schmerz-, sondern auch die entzündungshemmende Wirkung gefragt war.

Der Fortschritt über das lange Wochenende war großartig. Freitag noch vorsichtig, Samstag schon ohne Tabletten und wieder Auto fahrend und Sonntag bereits ohne Krücken.

Am Montag danach ging es zur Nachsorge zum Orthopäden – und ich erlebte das größte Ärgernis der gesamten Geschichte. „Bein hochlegen und kühlen.“ war die Anweisung für die folgende Woche. Ich hatte irgendwie mit mehr gerechnet. Und der „normale“ Ablauf, den ich mir von Sportkollegen habe schildern lassen und der auch auf diversen Klinikseiten geschildert wurde, sah dann doch anders aus. Bei dem einen gab’s Physio, in der Luxusvariante sogar Lymphdrainage, aber zumindest einen Flyer mit gymnastischen Übungen für daheim. Bei mir: nada, niente, nix. Selbst auf Nachfrage wurde nur abgewunken, nicht nötig, erstmal abwarten…

Abwarten ist nicht mein Ding, das musste ich bereits seit dem 22. August. Tatsächlich hatte ich mit Hilfe eines PDF’s das eine Orthopädische Klinik im Netz bereit stellt schon am Wochenende mit Übungen angefangen.

Mittlerweile sind drei Wochen nach der OP vergangen, biken geht seit einer Woche wieder. Montag bin ich mal ganz langsame 4 Kilometer gelaufen und am Mittwoch 8 mit einem Schnitt von 5:30, was aber wohl noch nicht ganz kniekonform war – zumindest meckerte es am Tag danach ein wenig. Nächste Woche folgt also noch ein wenig Aufbau und bei gutem Gelingen kann ich Anfang November wieder die erste Runde mit meinen Ergster Jungs drehen…

Thomas

Ich bin begeisterter Läufer, bevorzugt auf langen Strecken in der Natur. Auf Lennetaler.de schreibe ich primär über diese Leidenschaft, aber auch über alles was mir draußen und sportlich sonst noch Spaß macht.

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